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24.07.2006 - Globale Faktoren belasten Lippstädter Gas

Die Stadtwerke Lippstadt haben daher den Weg zum Gas-Portfolio-Management eingeschlagen. Dies bedeutet, dass eine bestimmte Grundmenge Gas nach wie vor auf Basis eines langlaufenden Liefervertrages beim Kasseler Lieferanten WINGAS eingekauft wird. Eine Zusatzmenge von 20 Prozent kommt ab Oktober neuerdings vom belgischen Lieferanten Distrigas. 120 Gigawattstunden kaufen die Stadtwerke Lippstadt demnach beim belgischen Lieferanten ein; Volumen: 4,5 Mio €.

Was zunächst einen rechtlichen Hintergrund hatte - nämlich die richterlich angeordnete Lockerung der langlaufenden Gaslieferverträge zwischen den Vorlieferanten und den rund 800 deutschen lokalen Versorgungsunternehmen - entpuppt sich vor dem Hintergrund der internationalen Energiesituation als strategische Chance für den Lippstädter Versorger. Müller: „Beim Portfolio können wir das Risiko besser streuen; einen Teil der Gasmenge kaufen wir zum Fixpreis, der für ein Jahr eingefroren wird. Einen anderen Teil der Gasmenge kaufen wir auf Basis von Quartalspreisen." Den Vorteil dieser Strategie erlebt momentan der Gaskunde in Lippstadt. Anders als andere Versorger in Westfalen, konnten die Stadtwerke im April und im Juli auf eine Preisanhebung verzichten, mussten allerdings zum August anheben. Müller: „Das wird in diesem Jahr hoffentlich die letzte Preisanpassung bleiben. Für den 2007 sieht das aber wieder anders aus." Grund hierfür ist nicht zuletzt die Gas- Ölpreis-Koppelung.

Die Entwicklung des Gaspreises ist nämlich gekoppelt an vier Indizes (Lohnindex, Investitionsgüterindex, Preis für Schweres Öl und Preis für Leichtes Heizöl). Hinzu kommt aber auch noch ein so genannter „Time-Lag". Maßgeblich für den Gaspreis am 1. Januar 2007 ist demnach die Entwicklung der verschiedenen preisbildenden Faktoren im Zeitraum von April bis Oktober 2006. Das unmittelbar vor dem ersten Januar liegende vierte Quartal fällt also bei der Preisbildung nicht ins Gewicht. „Umso besorgter sehen wir jetzt die Ölpreisentwicklung im Sommer", kommentierte Müller, der übrigens darauf hinwies, dass in Lippstadt grundsätzlich kein so genannter „anlegbarer" Preis erhoben wird; ein Mitnahmeeffekt oder gar ein Abkassieren finde auf keinen Fall statt. (Anlegbare Preise sind Preise, die der Markt ohne weiteres bezahlen könnte und würde). „Wir wollen nach wie vor die Wirtschaft am Standort durch ordentliche Energiepreise wettbewerbsfähig halten und auch den Privatkunden nicht stärker belasten als unbedingt nötig. Immer noch gehören die Stadtwerke Lippstadt zu den fünf günstigsten lokalen Gas-Versorgern in Deutschland.

Das bei den Stadtwerken Lippstadt jetzt eingeführte Gas-Portfoliomanagement hat sein Vorbild auf dem Stromsektor. Hier wird schon seit Jahren das Tages-Preis-Risiko gemixt mit dem Langfrist-Preis-Risiko.

Hintergrund: Wie Distrigas nach Lippstadt liefert

Stellt man sich das deutsche Gas-Rohrleitungsnetz als ein geschlossenes System vor, in dem die Menge des vorhandenen Gases bekannt ist, dann ist es einfach, die für Lippstadt erforderliche Menge von 120 Gigawattstunden zu irgendeinem Zeitpunkt an irgendeinem oder mehreren Einspeisepunkten in das Netz zu liefern. Die Stadtwerke Lippstadt entnehmen ihrerseits die vereinbarte Liefermenge aus dem Netz und bezahlen an Distrigas. So funktioniert im Prinzip die Lieferung des Brüsseler Gasunternehmens nach Lippstadt: nämlich über einen „virtuellen Einspeisepunkt". Wo genau das Brüsseler Gas in das deutsche Rohrnetz kommt, lässt sich also nicht genau sagen. Was zählt, sind die Zahlen der Zählerstände.

 

Hintergrund: Internationaler Rohölmarkt

Weder Ölexperten noch Wissenschaftler wagen derzeit Prognosen zur weiteren Entwicklung. "Die Lage ist prekär. Wenn sich die Situation im Nahen Osten weiter zuspitzt, könnte der Ölpreis bald auf 80 Dollar und mehr steigen. Wird der Konflikt entschärft, könnte er auf bis zu 65 Dollar wieder fallen", meint der Ölexperte vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), Klaus Matthies. "Alles hängt vom Iran ab", ist Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) überzeugt: "Wenn der Iran militärisch in die Krise eingreift oder gegen ihn Sanktionen verhängt werden, könnten die Preise auf bis zu 100 Dollar steigen." Bislang würden die Ölpreise vor allem durch Ängste, Gerüchte und Spekulationen hochgetrieben. Die Förderung und Versorgung seien dagegen nicht durch den Konflikt eingeschränkt: "Es ist genug Öl vorhanden", so Kemfert gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Sobald aber Iran als Lieferland ausfalle, könnte es zu Produktionsengpässen kommen, die von den anderen Förderländern nicht kompensiert werden können. "Dann haben wir eine Energiekrise."

Hintergrund Gasproduktion Russland

Nach einer repräsentativen forsa-Studie mit rund 1000 Befragten machen sich über 70% der Bundesbürger Gedanken über eine sichere Energieversorgung der Bundesrepublik. Im Energiemix ist Erdgas vor Kohle, Erdöl oder Kernkraft klarer Favorit unter den konventionellen Energieträgern. Neben Norwegen, den Niederlanden und Kanada zählen die Bundesbürger Russland zu den zuverlässigen Energielieferanten. Der russische Strommonopolist SEU diagnostizierte im Juni 2006 einen Mangel an Erdgas in Russland: Man habe wirklich zu wenig Gas in Russland, es gebe bereits die Anweisung, in Wärmekraftwerken weniger Gas zu verbrauchen. Die russische Gazprom hatte im Mai eine Gasknappheit in Russland ausgeschlossen, hält aber erneute winterliche Gasengpässe in Europa für möglich, weil die Ukraine als wichtigstes Transitland bislang nur etwa 3 Mrd Kubikmeter in seine Untergrundspeicher gepumpt habe, aber 16 Mrd Kubikmeter bevorraten müsse, um die Versorgung im Winter sicherzustellen. Man wolle aber alle Probleme mit der Ukraine friedlich beilegen und die Gasexporte nach Europa 2006 um 4 Mrd auf 151 Mrd Kubikmeter steigern, hieß es aus Moskau.

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