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06.03.2007 - Aktivkohlefilter Wasserwerk Eikeloh

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Oktober 2006 war es hier zu erhöhten PFT-Werten gekommen. Sofort nach Bekannt werden der unzulässigen PFT-Werte von rund 400 Nanogramm PFT pro Liter wurde Eikeloh vom Netz genommen; bis heute wird die Trinkwasserversorgung in der Stadt nur noch aus dem Wasserwerk Lipperbruch bestritten. Eine Gefahr für die Gesundheit der Bürger hat es zu keiner Zeit gegeben. Auch ein zwischenzeitliches Absinken des Messwertes auf bzw. unter den gesetzlich definierten duldbaren Wert von 300 Nanogramm PFT pro Liter hat nicht dazu geführt, dass Eikeloh wieder ans Netz gegangen ist. Das Management der Stadtwerke Lippstadt legt mit Blick auf den Endverbraucher strengste Maßstäbe an die Trinkwasserversorgung. Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Müller: „Bei Trinkwasser legen wir die Messlatte für Qualität besonders hoch. Hier geht es letztlich um die Gesundheit der Bürger." Eikeloh liefert lediglich 10 % der Lippstädter Trinkwassermenge, so dass der Ausfall mengenmäßig zu verschmerzen ist.

Bei den Tests läuft das Wasser durch Behälter mit Aktivkohle. Diese bindet PFT und zieht sie aus dem Trinkwasser heraus. Pro Tag werden auf diese Weise rund 24 Kubikmeter Wasser gefiltert. Wöchentlich werden Proben entnommen und an das Hygieneinstitut Gelsenkirchen geschickt. „Bis die Ergebnisse vorliegen, dauert es jedoch immer gut zwei Wochen", erklärt Martin Sandknop, Betriebsleiter Wasser bei den Stadtwerken Lippstadt. Noch liegen dem Wasserwerk Eikeloh daher keine neuen Ergebnisse vor. Solange aber die Grenze von unter 100 Nanogramm PFT pro Liter nicht erreicht ist, geht Eikeloh nicht wieder ans Netz. Zuletzt lag die Probe bei 126 Nanogramm pro Liter. Aufgebaut hat die Lippstädter Versuchsanlage das Ingenieurbüro Schmidt & Partner aus Bielefeld. Eingesetzt werden insgesamt drei verschiedene Aktivkohlesorten der internationalen Hersteller Chemviron, Norit und Donau Carbon.

Die Tests mit Aktivkohle werden voraussichtlich sechs Monate laufen. Sollte die Aktivkohle die PFT-Chemikalie komplett aus dem Trinkwasser herausfiltern können, stellen die Stadtwerke Lippstadt als Betreiber des Wasserwerks Eikeloh weitere Überlegungen an. Geplant ist dann, eine solche Anlage für das gesamte Wasserwerk Eikeloh einzusetzen. Die Kosten würden sich dabei auf gut eine halbe Millionen Euro belaufen. Das gleiche ist bereits in Arnsberg erfolgt. Hier wurde seit dem Bekannt werden des PFT-Skandals eine komplette Aktivkohlefilteranlage gebaut. Die Investitionskosten lagen bei rund 500 000 €. Weitere 100 000 € Betriebskosten kommen pro Jahr hinzu.

Noch sind die Stadtwerke Lippstadt aber zuversichtlich, dass sich das PFT-Problem von alleine löst. Martin Sandknop glaubt, dass durch die Sanierungsmaßnahmen im Sauerland bereits eine Reduzierung der PFT-Belastung eintreten könnte. Auch durch die Regenfälle von Herbst bis Frühjahr könnte es zu einer Auswaschung der PFT-Rückstände kommen. Unbegründet sind die Hoffnungen nicht: Der Untergrund von Haarstrang bis zum Lippetal ist felsig-klüftig, so dass das Oberflächenwasser die Rückstände tatsächlich auswaschen und wegspülen kann. Anfang 2007 wurde in Brilon-Scharfenberg diejenige Ackerfläche saniert und drainiert, aus der ein Großteil der PFT-Menge stammt, die zur aktuellen Belastung von Trink- und Badewässern geführt haben.

Hintergrund

Ins Rollen gekommen war der PFT-Skandal in Westfalen im Sommer 2006: Damals hatte das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn (IHÖG) erhöhte PFT-Konzentrationen in der Ruhr sowie in der Möhne gefunden und die zuständigen Behörden informiertDie Humantoxizität (= Giftigkeit für Menschen) ist immer noch nicht abschließend geklärt. Perfluorierte Tenside (PFT) werden in der Natur nur sehr langsam abgebaut und auch in Kläranlagen nur bedingt entfernt. Bei PFT handelt es sich um sehr stabile Verbindungen, die u.a. bei der Verarbeitung von Gebrauchsgegenständen, bei der Herstellung von Fluorpolymeren (z.B. PTFE), bei der Papierveredelung, in Feuerlöschmitteln und in Reinigungsmitteln eingesetzt werden. PFT sind kein natürlicher Stoff, sondern das Resultat von industriellen Herstellungsprozessen. Auffällige PFT-Konzentrationen gibt es in Deutschland außer in Westfalen nur noch am Niederrhein und in Niedersachsen. Auf die Äcker im Sauerland (insbesondere bei Brilon-Scharfenberg) kam PFT ganz offenbar, weil es in Düngemitteln (Klärschlämmen) enthalten war, die von Landwirten auf die Ackerflächen aufgebracht worden waren.

Fotomaterial: www.epk-bilderserver.de/F-PFT-Versuch/


Weitere Informationen zu PFT:
www.bmu.bund.de/files/chemikalien/downloads/application/pdf/artikel_perfluortensiden.pdf
www.umweltbundesamt.de/umid/archiv/umid0405.pdf
www.lgl.bayern.de/gesundheit/umweltmedizin/projekt_pfc.htm

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