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13.01.2012 -Stadtwerke verschicken die dicksten Rechnungen aller Zeiten - Kunden erhalten 300 bis 500 Euro zurück - Verbrauchsprognose immer schwieriger

(vom 01.06.2012)

Lippstadt. Die Kunden der Stadtwerke Lippstadt erhalten in diesen Tagen eine besonders dicke Rechnung - und erhalten doch beachtliche Geldbeträge im Rahmen der Gasabrechnung zurückerstattet. Hintergrund ist einerseits der milde Winter 2010/ 2011, andererseits sind es neue Vorschriften des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Letzteres schreibt eine ausdifferenzierte, möglichst transparente Rechnungslegung für Strom, Erdgas, Trinkwasser vor. „Diese von der Politik gewünschte Transparenz bedeutet Rechnungsumfänge von 7 bis 9 Seiten und hilft nach meiner festen Überzeugung trotzdem nicht viel weiter", kommentiert Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Müller die seit Anfang des Jahres geltende neue Rechtslage. Soviel steht fest: Das Porto für 30 000 Rechnungen wird entsprechend höher ausfallen, die Stadtwerke-Mitarbeiter müssen viel zusätzlichen Verwaltungsaufwand betreiben.

Die gute Nachricht für die Kunden: Im Einzelfall werden zwischen 300 und 500 € rückerstattet; Verbrauchsdaten und Zahlbetrag finden sich auf der ersten Seite der umfangreichen Gesamtrechnung - der Rest besteht aus Erläuterungen, Grafiken und Zahlenwerk. Insgesamt zahlen die Stadtwerke 5 Mio. € an die Kunden zurück.

„Wir hatten einen unerwartet kalten Winter Ende 2010. Daraus haben wir wie üblich für das Folgejahr 2011 die Verbrauchsdaten prognostiziert", erläutert Stadtwerke-Prokurist Wilfried Oevel. Doch schon die zweite Hälfte des zurückliegenden Winters aber auch November und Dezember des jetzigen Winters waren auffallend warm. „Das führt wie immer in solchen Fällen zu Erstattungen in der folgenden Jahresabrechnung und auch zur Neuberechnung der Teilbeträge für die Zukunft", erklärt Oevel. Die Abschläge der Gasabrechnung für das Jahr 2012 werden damit niedriger ausfallen. „Wir könnten theoretisch auch einen Puffer dazurechnen, das haben wir aber noch nie getan. Wir wollen nicht mit dem Geld unserer Kunden eigene Zinsvorteile erwirtschaften", erläutert SWL-Geschäftsführer Müller. Diese klare Preispolitik der Stadtwerke bedeutet jedoch Eigenverantwortung für den Kunden: er muss sich sein Geld einteilen und eigene Rücklagen für eventuelle Nachzahlungen Anfang 2013 bilden, sofern der jetzige Winter noch sehr kalt wird.

Neu ist aus Sicht des lokalen Versorgungsunternehmens mittlerweile nicht nur der Rechnungsumfang, sondern auch die meteorologische Situation. „Seit etwa fünf Jahren wird die Verbrauchsprognose immer schwieriger, weil wir von Winter zu Winter extreme Witterungsschwankungen erleben", beschreibt Wilfried Oevel die Situation. Das habe es noch in den 90er Jahren nicht gegeben. „Aber das war auch die Zeit, da bestand die Jahresverbrauchsendabrechnung noch aus einer einzigen Seite", erinnert sich Siegfried Müller.
Im dicken Rechnungskuvert findet sich jetzt auch eine getrennte Rechnung der Stadtentwässerung AöR (Anstalt öffentlichen Rechts); in der Vergangenheit konnten Stadtwerke und Stadtentwässerung noch über ein gemeinsames Konto und über eine gemeinschaftliche Rechnung verfügen. Dies, wie auch die gegenseitige Verrechnung von offenen und zu viel gezahlten Beträgen beider Unternehmungen gegenüber dem Kunden, ist jetzt nicht mehr möglich. Der Rechnung liegt auch ein Formular zur Selbstauskunft bei. Hierauf kann der Kunde seine geänderten Daten dem Versorgungsunternehmen schriftlich mitteilen.SWL-Chef Müller bietet den Stadtwerke-Kunden angesichts der neuen bürokratischen Hindernisse die Möglichkeit, sich mit Fragen jederzeit an die Stadtwerke zu wenden. „Unsere Mitarbeiter haben Urlaubssperre. Das Service-Center ist täglich zu den üblichen Zeiten geöffnet. In den Stunden danach müssen die Änderungen in die EDV eingearbeitet werden. Das kostet uns auch zusätzliche Arbeit an den Wochenenden. Soviel ist klar." Weitere Infos auf www.stadtwerke-lippstadt.de


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